420.000 Aufrufe in 30 Tagen: Unser Instagram macht ein KI-Agent

Ohne Drehtag, mit Lippen, die noch nicht immer passen. Was der Agent allein macht und wo ich freigebe.

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420.000 Aufrufe in 30 Tagen: Unser Instagram macht ein KI-Agent

Lena und Jonas stehen vor einem Kleiderschrank und klären, was man auf einer Hochzeit anziehen darf. Auf der Einladung steht „White Tie". Der Smoking ist dann falsch, so festlich er ausschaut. Verlangt ist der Frack.

Lena und Jonas gibt es nicht. Bild, Bewegung und Stimme kommen aus KI-Modellen. Für unser Instagram-Konto @hochzeitsgast.looks haben wir nie etwas gedreht.

Im jetzigen Format läuft das Konto seit Anfang August. Viereinhalb Wochen später, am 6. September, hatte es 1.000 Follower. In den letzten 30 Tagen kamen 420.000 Aufrufe zusammen. Die ersten Anfragen von Marken aus Mode und Verleih sind da.

Was der Agent übernimmt und was bei mir bleibt

Der Agent sucht Themen in Suchdaten, Forenfragen und Umfragen unter den Followern. Er schreibt die Skripte und erzeugt daraus Bilder und Videoclips. Dazu kommen die Stimmen, der Schnitt und die Texte im Bild, zuletzt plant er die Veröffentlichung. Bild und Video kosten nach meiner Rechnung rund 35 Dollar pro Folge, Fehlversuche eingerechnet. Die Abos für Stimmen und Veröffentlichung kommen dazu.

Bei mir bleiben fünf Freigaben pro Folge. Zuerst lese ich das Skript, danach höre ich die Stimme an. Ich prüfe Standbilder und Clips, anschließend das fertige Video. Zum Schluss gebe ich den Post frei.

Manche Fehler findet der Agent selbst. In der jüngsten Folge stand Jonas in zwei Clips da wie eine Statue. Weil der Agent die Bewegung im Bild misst, hat er die Clips neu erzeugt, bevor ich sie gesehen habe. Andere rutschen durch: Einmal hat er sich bei „morgen" verrechnet, der Post ging einen Tag zu früh raus, und ich habe ihn von Hand gelöscht. Wenn du so einen Ablauf baust, leg vorher fest, wer an welcher Stelle freigibt und wer eingreift, wenn trotzdem etwas durchrutscht.

Die Lippen passen nicht immer. Das Video geht trotzdem raus.

Wenn du so ein Video selbst baust, schaust du auf jede Mundbewegung. Sobald die Lippen neben der Stimme herlaufen, siehst du nur noch den Fehler.

Die Lippen-Synchronität haben wir bis heute nicht ganz im Griff. Früher hätten wir so einen Clip neu erzeugt, heute veröffentlichen wir ihn. Die 420.000 Aufrufe sind mit genau diesen Videos entstanden.

Daraus würde ich nicht ableiten, dass die Lippen niemanden stören. Aber ich halte nicht mehr das ganze Format zurück, bis jede Bewegung passt. Sonst fehlt uns genau die Erfahrung mit Zuschauern, die wir gerade sammeln.

Die Grenze ziehe ich trotzdem scharf: Ein Fehler in der Lippenbewegung bleibt vorerst drin, einen falschen Tipp zur Kleidung würde ich nie durchwinken. In deinem Betrieb ist es dieselbe Frage, nur mit anderen Dingen. Eine Rechnung mit etwas holprigem Begleittext kann rausgehen, eine Rechnung mit falschem Betrag nie.

Wenn du einen ähnlichen Ablauf für dein Marketing aufbauen willst, klären wir im Erstgespräch zuerst genau diese Grenze und die Freigaben dazu: Jetzt unverbindliches Erstgespräch anfragen!

Die Zuschauer haben der Checkliste widersprochen

Nach rund 40 Videos hatte der Agent seine Ergebnisse ausgewertet und daraus eine Checkliste mit zehn Prüfpunkten gebaut. Für den Einstieg, also die ersten fünf Sekunden, sollte das Bild ein richtiges und ein falsches Outfit zeigen, damit die Zuschauer mitraten.

Dann kam die Folge über Kinder auf Hochzeiten. Auf der Einladung steht nichts von Kindern. Geplant war ein Einstieg, in dem Lena und Jonas nur vor dem Schrank stehen, dazu die Frage „mitbringen?" als Text. Für den Test baute der Agent zwei weitere Fassungen. In einer hielt Jonas einen Kinderanzug am Bügel. Die fiel durch die Checkliste, weil sie einen Gegenstand statt zwei Outfits zeigte. Zum Favoriten erklärte der Agent die Fassung mit Lena und einer Babytrage.

Getestet haben wir trotzdem alle drei. Mit dem 1.000. Follower war in unserem Konto die Funktion Test-Reels frei geworden: Instagram zeigt die Videos zuerst Leuten, die uns nicht folgen.

Gewonnen hat die Fassung mit dem Kinderanzug, die die Checkliste aussortiert hätte, mit 5.855 Aufrufen. Die Fassung mit der Babytrage kam auf 2.600, das ursprünglich geplante Video auf 1.100. Es war jedes Mal dasselbe Video, nur mit einem anderen Anfang.

Drei Einstiege desselben Videos: Kinderanzug als aussortierter Testsieger, ursprünglich geplantes Video, Babytrage als Favorit des Agenten

Der Agent hat seine Regel daraufhin selbst umgeschrieben. Sie lautet jetzt: Das Bild muss in unter einer Sekunde eine Frage aufwerfen. Eine Frau mit Babytrage auf einer Hochzeit ist erwartbar, ein Mann mit einem Kinderanzug am Bügel ist ein Rätsel. Die Checkliste sortiert seitdem nur noch vor. Was durchfällt, darf trotzdem in den Test.

Ob die neue Regel hält, zeigt die nächste Runde. Sie läuft seit 10. September, diesmal mit dem Favoriten als zweitem Video, weil bei einem früheren Test die Reihenfolge der Veröffentlichung das Ergebnis verzerrt haben könnte.

Wenn in deinem Betrieb eine Formulierung für eine Stellenanzeige verworfen wird, weil sie intern niemandem gefällt, ist das dieselbe Lage. Ihr kennt eure Meinung. Wie Bewerber reagieren, wisst ihr erst, wenn beide Fassungen draußen sind.

Die Zuschauer liefern die nächsten Themen

Inzwischen kommen Fragen zurück. Zuschauer schreiben uns, was sie wissen wollen, und wir beantworten das persönlich in den Stories. Diese Antworten sind nicht automatisiert.

Zwei dieser Fragen waren „White Tie" und „Chic". Beide Begriffe fehlten in unserem erfolgreichsten Dresscode-Video. Der Agent hat daraus die nächste Folge gebaut. Es ist die mit dem Smoking vom Anfang dieser Mail, und sie steckt gerade in der neuen Testrunde. Die Zuschauer liefern inzwischen die Themen, der Agent produziert. Die Antworten in den Stories schreiben wir weiter selbst.

Welche wiederkehrende Arbeit in deinem Marketing würdest du einem Agenten überlassen, um mehr Zeit für solche Gespräche zu haben? Antworte mit einem Satz.

Bis nächste Woche Till

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